Frei zur Diskussion

Stadtbusverkehr mit flexiblen Bedienungsformen

ROTHENBURG – Auf Anregung des Oberbürgermeisters hat sich der Seniorenbeirat mit einem Modell zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs beschäftigt, wie es im Landkreis Günzburg praktiziert wird. Man hält es auch für Rothenburg anwendbar. Beiratsmitglied Burkhart Eugen wird es im Rahmen einer Sitzung am Mittwoch, den 4. Oktober, um 16 Uhr in der „Schranne“ der interessierten Öffentlichkeit vorstellen.

Burkhart Eugen vom Seniorenbeirat der Stadt.        Foto: sis

Burkhart Eugen vom Seniorenbeirat der Stadt. Foto: sis

Mitglieder des Senioren-, Familien- und Inklusionsbeirates informierten sich bei einem Beusch eingehend über das flexible Bussystem, welches im gesamten Landkreis Günzburg mit fünf Stützpunkten und nunmehr 12 Kleinbussen (anfangs 2 Kleinbusse) angewendet wird. Das Prinzip des Systems: Auf Anruf beziehungsweise Vorbestellung holt der Bus den Kunden an einer nahe gelegenen Haltestelle seiner Wahl ab und bringt ihn zur Zielhaltestelle seiner Wahl und gegebenenfalls wieder zur (Nachhause-)Haltestelle. Die Haltestellen des Bussystems sind innerörtlich in etwa 200 Meter Abstand eingerichtet.

Der Flexi-Bus wird von einer Leitstelle dirigiert, welche die Routen des Busses errechnet und anpasst. Auf die Situation in Rothenburg bezogen würde das bedeuten: Wenn jemand den Bus an der Haltestelle Finanzamt für 10.15 Uhr bestellt, um etwa 10.30 an der Haltestelle Krankenhaus auszusteigen, und es kommt eine weitere Bestellung hinzu, um von der Haltestelle Kleiststraße zum Gasthaus Neusitz (Haltestelle) gebracht zu werden, wird die Route und die Haltefolge in der Zentrale festgelegt. Es kann dann nicht spontan jemand am Krankenhaus ohne Bestellung fragen, ob er mit zum Bahnhof genommen werden kann, weil dadurch das gesamte System torpediert würde. Also ist eine möglichst frühzeitige Bestellung nötig, mindestens bis 30 Minuten vor dem gewünschtem Fahrantritt.

Bei der Anmeldung wird dem Kunden die Abfahrtszeit bestätigt, diese kann sich durch Kombination mit anderen Fahrtwünschen um einige Minuten verschieben. Die Fahrpreise sind je nach Strecke gestaffelt . Sie liegen im Bereich der Stadt Krumbach zwischen 2,20 und 7 Euro. Es gibt Er­mäßigungen und die gesetzlichen Freifahrten für Behinderte und deren Begleiter.

Die Fahrer sind nicht ehrenamtlich tätig, sondern das System wird durch ein Busunternehmen betrieben in 8-sitzigen Kleinbussen (Sprinter), deren Fahrer vergütet und rentenversichert werden. Die Betriebszeit des Flexibusses ist 365 Tage im Jahr von 6 bis 20 Uhr, Freitag und Samstag sogar bis 22 Uhr. Die Reservierungszentrale ist 7 Tage pro Woche von 7 bis 18 Uhr besetzt. In Krumbach gibt es über 300 Bedarfshaltestellen. Viele Geschäfte, Ärzte, Einrichtungen reservieren für ihre Kunden den Flexibus.

Konkrete Details zu Neuem

Die Rothenburger Delegation konnte einen Mercedes-Kleinbus besichtigen mit 8 Fahrgastsitzen, davon 6 fest montiert und zwei Klappsitze, die benutzt werden können, sofern kein Kinderwagen, Fahrrad, Rollstuhl, Rollator zu befördern ist. Im Fahrzeug sind Halteösen versenkt für die Gurtbefestigung. Die Gruppe hat den Eindruck gewonnen, dass das dortige Unternehmen, welches das System entwickelt hat und ausführt, ein Interesse hat und bereit ist, seine Dienste für Rothenburg und Umgebung zur Verfügung zu stellen. „Wir hatten auch den Eindruck, dass der dortige Unternehmer mit den hiesigen Busunternehmen nicht konkurrieren will und eine Zusammenarbeit möglich wäre.“

Der Betreiber verhehlte nicht, dass es sich um ein Draufzahlgeschäft handelt. Das System funktioniere nicht kostendeckend. Anhand von Schaubildern machte er deutlich, dass das von der Kommune und dem Landkreis getragene Defizit pro Fahrgast geringer ausfalle als bei regulären Linienbussen beziehungsweise Anrufsammeltaxis. Das Flexi-System könne in ein bestehendes Netz des öffentlichen Personennahverkehrs eingebunden werden.

Der Seniorenbeirat hält das Konzept für geeignet, den öffentlichen Nahverkehr in Rothenburg und Umgebung erheblich zu verbessern: an 365 Tagen im Jahr eine flexible Be- förderung. Ohne festen Fahrplan, ohne feste Routen und Linien, aber mit feststehenden Bedarfshaltepunkten. Man hält den Betrieb des Flexi-Systems nicht nur für Omnibusunternehmen geeignet sondern auch für Taxigenossenschaften, Zusammenschlüssen von Taxiunternehmen, die gemeinsam die erforderlichen Kleinbusse anschaffen und eventuell mit eignem Personal betreiben. Nach Auffassung des Seniorenbeirates wäre auch die Möglichkeit auszuloten, ob die Stadtwerke Rothenburg (insbesondere in einer Orientierungsphase) den Betrieb eines solchen Systems übernehmen.

Elf Mitglieder des Seniorenbeirates sind das Stadtgebiet abgeschritten und haben vorläufig (ohne die eingemeindeten Ortsteile) etwa 100 Bedarfshaltepunkte ermittelt. Sie haben sich daran orientiert, dass der Fahrgast in der Regel keine weitere Strecke als 100 bis 150 Meter bis zu dem nächstgelegenen Bedarfshaltepunkt zu gehen hat. Es wurde versucht zu vermeiden, „Haustürhaltestellen“ vorzusehen. Der Flexi-Bus versteht sich nicht als „Kampfkonkurrenz“ zu Taxis, die den Haus-zu Haus-Service anbieten.

Der Seniorenbeirat tritt nun mit seiner Initiative an die Öffentlichkeit und will das Konzept zur Diskussion stellen. Auch Nachbargemeinden sind eingeladen, sich mit Vorschlägen einzubringen. sis