Weitere Mitstreiter gesucht

ROTHENBURG – Mit der Gründung der veschiedenen Beiräte betrat die Stadt vor zwei Jahren Neuland in Sachen Bürgerbeteiligung. In der kommenden Woche stehen nun die Gründungsveranstaltungen für die neuen Einzelbeiräte an. Die bislang engagierten Ehrenamtlichen hoffen dabei auf weitere Mitstreiter, die sich zum Wohle der Bevölkerung mit ihren unterschiedlichen Ideen und Talenten einbringen möchten.

Einsatz für Bürgerbeteiligung: Die Vertreter der Beiräte und Irmgard Fischer von der Stadt werben für die ehrenamtliche Mitarbeit in den Einzelbeiräten.Foto: Scheuenstuhl

Einsatz für Bürgerbeteiligung: Die Vertreter der Beiräte und Irmgard Fischer von der Stadt werben für die ehrenamtliche Mitarbeit in den Einzelbeiräten. Foto: Scheuenstuhl

„Diese zwei Jahre waren eine Erfolgsgeschichte im Sinne einer lebendigen Bürgerbeteiligung“, zieht Irmgard Fischer Bilanz. Als Leiterin des Bereichs Gemeinwesen und Soziales der Stadt Rothenburg ist sie die erste Ansprechpartnerin für die einzelnen Beiräte und erlebte dadurch hautnah mit, welche Impulse zur Entwicklung der Stadtgesellschaft die Ehrenamtlichen gaben, aber auch welche Hürden es dabei zu überwinden galt. „Die Beiräte entwickelten in kürzester Zeit eine enorme Dynamik und nahmen meistens gleich mehrere Projekte in Angriff“, lobt sie deren Arbeitseifer.

Und auch aus den Reihen der Einzelbeiräte hört man überwiegend Positives über die vergangenen zwei Jahre. So habe etwa die Stadt ihr Versprechen eingehalten, die Beiräte bei jenen Fragen einzubeziehen, die ihrem Aufgabenbereich entsprechen. Zudem seien die Initiativen der Beiräte durch die Verwaltung unterstützt worden, unterstreicht Burkhart Eugen vom Seniorenbeirat.

Aber auch die Zusammenarbeit zwischen den Beiräten wird von den Beteiligten durchweg als gut empfunden. Als ein Beispiel für einen äußerst gelungenen Schulterschluss, sind etwa die gemeinsamen Bemühungen von Inklusionsbeirat und Seniorenbeirat zu nennen, die Barrierefreiheit in der Stadt voranzutreiben. ....

Ideen und Geld vorhanden

An Ideen für diese Projekte fehlt es keinem der Beiräte – und auch nicht am Geld. Denn jeder Einzelbeirat ist mit finanziellen Mitteln von der Stadt ausgestattet. Zudem erhält auch der Gemeinschaftsbeirat ein Budget aus dem Stadtsäckel, von dem er Beträge auf Grundlage eines Beschlusses des Gesamtgremiums an die Einzelbeiräte transferieren kann. Bislang ist noch kein Projekt aus Kostengründen auf der Strecke geblieben.

Vielmehr krankt es an anderer Stelle: „Die Personaldecke ist ein biss-chen dünn für die vielen Dinge, die man umsetzen möchte“, findet Walter Körber vom Inklusionsbeirat. Deswegen rühren die akutellen Mit­glieder der Beiräte derzeit die „Wer­betrommel“, um bei den anstehenden Gründungsveranstaltungen möglichst viele neue Gesichter in ihren Reihen begrüßen zu können.

Denn nach zwei Jahren ehrenamtlichen Engagements ziehen sich einige Mitglieder aus den Beiräten zurück. Diese besonderen Gremien der Bürgerbeteiligung leben aber davon, dass durch eine gewisse Bandbreite an Mitstreitern möglichst vielschichtige Perspektiven zusammenkommen, um Probleme zu bewältigen sowie Vorhaben anzustoßen und umzusetzen. Dr. Paul Kerscher vom Seniorenbeirat apelliert deshalb an die Einwohner Rothenburgs sich in den Beiräten zu engagieren: „Jeder in unserer Stadt hat damit die Möglichkeit, persönliche oder allgemeine Probleme in den Beiräten vorzubringen, ohne selbst in einem der städtischen Ämter vorstellig zu werden.“

Die Beiräte nehmen begründete Vorschläge auf und tragen diese bei der Stadt vor. Damit habe, seiner Ansicht nach, eigentlich niemand mehr das Recht, über angebliche Missstände in der Stadt zu schimpfen, da es mit den Beiräten ein „geeignetes Sprachrohr“ für die Belange der Bürger gebe.

Persönliche Interessenslagen

Die konkrete Arbeit in den Beiräten ist in der Regel so organisiert, dass sich jeder Einzelne gemäß seiner persönlichen „Interessenslagen gut einbringen“ kann, erklärt Martin Heilscher vom Familienbeirat. In diesem Zusammenhang betont Walter Körber, dass der Inklusionsbeirat „kein Behindertenbeirat“ sei und somit offen für jene ist, die ohne selbst betroffen zu sein, dazu beitragen möchten, die „Barrieren in den Köpfen“ hinsichtlich der Inklusion abzutragen.

Wer noch zögert sich mit der Übernahme des Beirat-Ehrenamts zu einer mehr oder weniger regelmäßigen Mitarbeit zu verpflichten, der hat dennoch die Möglichkeit sich einzubringen. Alle Sitzungen der Einzelbeiräte sind öffentlich und können auch als Gast besucht werden, der zwar dann nicht stimmberechtigt ist, aber dennoch mitdiskutieren und damit ebenfalls zur Entscheidungsfindung beitragen kann. Vielleicht wird aus dem einen oder anderen Gast mit der Zeit ein Mitglied, hofft Burkhart Eugen. ...

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