Artikel im Fränkischen Anzeiger vom 15. Januar 2019

 

„Der Notruf ist immer möglich“

 

Erste Hilfe-Kurse des Seniorenbeirats: Wissen für Notfälle auffrischen und aktualisieren

ROTHENBURG – Einmal gelernt und dann für den Rest des Lebens im Hinterkopf abgespeichert und griffbereit: Was durchaus auf das Fahrradfahren oder das „Vater unser“ zutreffen mag, funktioniert spätestens dann nicht mehr, wenn man sich in einer Ausnahmesituation befindet. Deshalb bietet der Seniorenbeirat kostenlose Erste Hilfe-Kurse an, um das  lebenswichtige Wissen um das richtige Verhalten bei einem Unfall oder einem Notfall aufzufrischen.

Wiederbelebung: Druckpunkt finden und senkrecht von oben fest den Brustkorb mit gestreckten Armen fünf bis sechs Zentimeter eindrücken. Fotos: Scheuenstuhl

„Das Schlimmste ist, nichts zu machen“, sagt Werner Holzberger und erstickt damit etwaige Ausflüchte im Keim, aus Angst Schaden anzurichten, überhaupt nicht zu helfen. Der Rettungsassistent ist seit 1991 hauptamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz tätig und leitet die vom Seniorenbeirat initiierten Erste-Hilfe-Kurse. Mit Fachkompetenz und seinem trockenen Humor schafft er es, die Teilnehmer von der ersten Minute an für das Thema zu fesseln.
Dabei arbeitet er nicht pedantisch Zeile für Zeile das Lehrbuch ab, sondern geht – natürlich neben der Erklärung der grundlegenden Aspekte der Ersten Hilfe – auch auf die weiterführenden Fragen der Teilnehmer ein. Obwohl dieser Auffrischungskurs also von einem erfahrenen Experten geleitet wird, kann dafür keine Bescheinigung ausgestellt werden, die bei Behörden oder Einrichtungen vorgelegt werden kann. Dennoch ist dieser Kurs in jedem Fall sinnvoll, um das einstmals angeeignete Wissen über das richtige Verhalten im Notfall aufzufrischen beziehungsweise auf den neuesten Stand zu bringen.
Hilfe zu leisten ist nicht nur ein Gebot der Mitmenschlichkeit, sondern eine rechtliche Verpflichtung. So regelt Paragraph 323c des Strafgesetzbuches (StGB) den Straftatbestand der unterlassenen Hilfeleistung. Demnach muss Hilfe geleistet werden, wenn sie „den Umständen nach zuzumuten“ ist und „ohne erhebliche eigene Gefahr“ und „ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten“ durchgeführt werden kann. Andernfalls droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe.

An einem Skelett zeigt Werner Holzberger, wie man den Druckpunkt für die Herzmassage findet.

Notruf auch ohne Netz

Um die Ersthelfer zu schützen, ist es in gewissen Gefahrensituationen – etwa bei Elektrounfällen oder wenn eine Gasexplosion droht – angezeigt, auf die professionellen und dafür ausgebildeten Hilfskräfte zu warten. „Ein Notruf ist aber immer möglich“, betont Werner Holzberger. Auch technisch. Denn selbst wenn man beim Smartphone kein Netz haben sollte, geht der Notruf dennoch durch.
Auch ohne medizinisch speziell ausgebildet zu sein, kann man in so ziemlich jedem Fall helfen. Vom Ersthelfer verursachte Schäden haben übrigens keinerlei strafrechtliche Folgen, be­ru­­higt Werner Holzberger. Obers­tes Gebot bei einem Unfall oder Notfall: Ruhe bewahren, auch wenn es eine belastende Ausnahmesituation ist. Um weitere Gefahren  abzuwenden muss – im Falle eines Unfalls – die Unfallstelle entsprechend abgesichert werden.
Sofortmaßnahmen sind all jene Maßnahmen, die – etwa bei einer starken Blutung oder Bewusstlosigkeit – unverzüglich durchgeführt werden müssen, um eine drohende oder akute Lebensgefahr abzuwenden. Der Notruf, also die Alarmierung der  Hilfskräfte, sollte so bald wie möglich erfolgen, damit der Laie schnellstmöglich Unterstützung erhält. Denn: „Zehn Minuten Wiederbelebung sind schon heftig“, weiß Rettungsassistent Werner Holzberger aus eigener Erfahrung.
Genaue Ortsangabe
„Schnell schnell nach Tauberzell“,  meldete sich einmal ein Ersthelfer telefonisch bei der Rothenburger Rettungswache – und legte auf. Mit dieser Information allein können die Sanitäter natürlich nichts anfangen. Und auch bei einem Notfall mitten in der Nacht ist die Ortsangabe, „da, wo Licht brennt“ keine große Hilfe, denn: „Wenn wir kommen brennt überall Licht“, sagt Werner Holzberger mit einem Augenzwinkern. Doch selbst wenn die Adresse ausführlich angegeben wurde, ist mancher Einsatzort nicht leicht zu finden. Es sollte deshalb darauf geachtet werden, dass die Hausnummer gut sichtbar am Gebäude angebracht ist.
Bei einem Notruf sind die Abarbeitung der fünf „Ws“ unerlässlich: Wo genau ist es passiert? Was ist passiert? Wie viele Betroffene? Welche Verletzungen? Warten auf Rückfragen. „Die Leitstelle wird das Gespräch führen“, sagt der Rettungsassistent. Deshalb: Telefon auf Lautsprecher stellen, zuhören und nicht auflegen. Die Experten am anderen Ende der Leitung fragen unter anderem auch die Atmung des Notfallopfers ab, um gegebenenfalls eine Telefonreanimation anzuleiten.
Bei der Wiederbelebung ist die Beatmung nicht das Allerwichtigs­te, da noch ein Rest Sauerstoff im Körper ist, erklärt Werner Holzberger. Vielmehr muss der Kreislauf mittels der Herzdruckmassage, die im Idealfall auf einem harten Untergrund durchgeführt wird, in Bewegung bleiben. Wenn die lebenswichtigen Funktionen nicht direkt gefährdet sind, der Patient aber dennoch bewusstlos ist, muss er in die stabile Seitenlage gebracht werden, um ein Ersticken zu verhindern. Dabei ist es wichtig, die Atemwege durch Überstrecken des Halses in Richtung Nacken frei zu machen.
Ist der Patient ansprechbar, sollte man ihn ermutigen und trösten. Ebenso ist es ratsam, ihn zuzudecken. Auf dem Boden liegend kann er auch im Sommer, vor allem wenn er bewusstlos ist, schnell auskühlen. Starke Blutungen können zu einem lebensbedrohlichen Schockzustand führen und sollten vorrangig versorgt, also wenn möglich die Blutung gestoppt werden – im Notfall „egal womit“. Aber auch kleinere Wunden sollten abgedeckt werden.
Nicht nur im Straßenverkehr, sondern vor allem auch Zuhause kann es zu einem Notfall kommen. Deshalb ging Werner Holzberger auch darauf ein, was etwa im Falle eines Schlag-anfalls zu tun ist. Gerade hier sei die Zeit entscheidend. Auch wenn nur der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, solle man sich nicht genieren und den Notruf wählen. „Wir kommen lieber umsonst – ganz egal um welche Uhrzeit“, versichert er.
Nicht selbst fahren
Nicht nur aus medizinischer, sondern auch aus rechtlicher Sicht, sollte man den Betroffenen nicht selbst ins Krankenhaus fahren. Wenn ihm nämlich auf dem Weg etwas zustößt, er womöglich währenddessen verstirbt, kann der Vorwurf des Totschlags im Raum stehen.
Der erfahrene Rettungsassistent hat aber auch den einen oder anderen Tipp für kleinere „Notfälle“ parat. Bei Nasenbluten solle man sich nach vorne beugen und einen kalten Umschlag in den Nacken legen, um die Blutstillung zu unterstützen. Auf keinen Fall solle man das Blut schlucken, weil man nicht sicher sein kann, wieviel der Magen davon aufnehmen kann.
Es sind nur wenige Stunden, die man auf der Rothenburger Wache des Bayerischen Roten Kreuzes für die Auffrischung der Erste Hilfe-Maßnahmen verbringt, doch sie können im Ernstfall durchaus den Unterschied zwischen Leben und Tod machen. Im Februar plant der Seniorenbeirat weitere kostenlose Erste-Hilfe-Kurse mit Rettungsassistent Werner Holzberger. Die Termine dafür werden noch bekannt gegeben. mes

 

Artikel im Fränkischen Anzeiger vom 30. November 2018

Jugend damals und heute

Seniorenbeirat initiiert Austausch zwischen den Generationen

ROTHENBURG – Auf Initiative des Seniorenbeirats fand im Gemeindesaal St. Jakob das erste Erzählcafé unter dem Motto „Jugend damals und heute“ statt.

Angeregt unterhalten sich die Teilnehmer des Cafés über ihre Erfahrungen. Foto: privat

Durch die tatkräftige Unterstützung des evangelischen Frauenbundes mit Gabriele Staudacher und ihrem Team sowie des Jugenddiakons Tobias Steinke und seinen Konfirmanden konnte der Rahmen für einen unterhaltsamen Nachmittag geboten werden. Die Tische im Gemeindesaal waren stimmungsvoll dekoriert mit herbstlich geschmückten Kerzengläsern und alten Gegenständen, die die Zeit widerspiegelten als die Senioren das Alter der Konfirmanden hatten.

Darunter waren unter anderem ein altes Poesie-Album, Fotoalben mit Schwarz-Weiß-Fotos oder ein Telefon mit Wählscheibe. Ein Tisch war mit Sammeltassen eingedeckt, ein damals beliebtes Geschenk für die Konfirmandinnen. Diakon Steinke setzte Gesprächsimpulse und motivierte damit die Senioren aus ihrer Jugendzeit zu erzählen. Gesprächsthemen waren die damaligen Lebensumstände wie beispielsweise die Mode in den Jahren nach dem Krieg, die Musik oder  die mit heute nicht mehr vergleichbare Freizeitgestaltung.
Bei Kaffee und selbst gebackenem Kuchen verging der Nachmittag wie im Flug und man kann gespannt darauf sein, wenn beim nächsten Erzählcafé die Jugendlichen ihre Gedanken und Sichtweisen zum Thema „Jugend damals und heute“ schildern.

Diakon Tobias Steinke macht Jugendarbeit.

Die Resonanz zum ersten Erzählcafé war groß und der Raum bis auf den letzten Platz gefüllt. Durch diesen Erfolg ermutigt möchte der Seniorenbeirat zusammen mit dem Frauenbund und der evangelischen Jugend ein Adventscafé veranstalten. Für das kommende Jahr ist vorgesehen, weitere gemeinsame Nachmittage anzubieten. eb

 

Artikel im Fränkischen Anzeiger vom 15. Februar 2018

Auf Besuch im „Betreuten Wohnen“

Neuer Seniorenbeirat hat noch vor seiner Akkreditierung die Arbeit aufgenommen

ROTHENBURG – Noch vor seiner offiziellen Akkreditierung durch den Stadtrat hat der neubesetzte Seniorenbeirat seine Arbeit aufgenommen. Auf Vermittlung von Irmgard Fischer (Amt für soziale Angelegenheiten) besuchte der Beirat die Eigentümer-/Mietergemeinschaft „Betreutes Wohnen“ in der Wächterstraße.

Irmgard Fischer (rechts) hat den Seniorenbeirat zum Besuch ins „Betreute Wohnen“ mitgebracht. Foto: privat

Nach dem Ausscheiden des BRK als Träger dieser Wohnform bilden die rund 59 Wohnungseinheiten keinen Verband mehr, sondern eine lose Gemeinschaft, in der Betreuungsleistungen, Hauswirtschaftshilfe usw. bei Bedarf zur Verfügung gestellt werden. Der ambulante Pflegedienst Christiane Philipp hat seit einigen Monaten seine Verwaltung in den dortigen Räumlichkeiten eingerichtet und bietet den Bewohnern gewünschte Leistungen an, ohne dass eine Bindung an diesen Dienst besteht. Die Firmeninhaberin erläuterte den Beiräten zunächst das im Umbruch befindliche neue Konzept. Daran anschließend wurden Gemeinschaftsräume besichtigt, insbesondere Gymnastikraum, Spiel- und Kaminzimmer.

In der Kaffeestube der Einrichtung trafen die Beiratsmitglieder auf eine große Gruppe von Bewohnern. Diese, meist zirka 80 jährig, leben nach ihren Bekundungen gerne in der Einrichtung, fast alle beziehen die örtliche Tageszeitung, ca. die Hälfte benutzt noch den eigenen Pkw, alle können die nahe gelegenen Versorgungseinrichtungen noch selbst, gegebenenfalls mit Rollator erreichen.

Sehr selbstständig

Es ist somit bei diesen Mitbürgern noch ein hohes Maß von Selbstständigkeit vorhanden. Digitale Medien, Computer, Smartphones werden hingegen nicht benutzt. Irmgard Fischer stellte ihnen das neue Programm „Kultur für alle“ vor und lud zur Teilnahme an den kulturellen Veranstaltungen mit Fahrdiensten ein.

Dr. Rainer Hoffmann machte sich als neuer Vorsitzender des Beirates bekannt, und gab einen umfassenden Überblick über die Projekte und Aufgaben des Beirates, der sich als Wahrer und Vertreter der Interessen aller Rothenburger Senioren versteht. Diese stießen auf großes Interesse der Bewohner, so dass sich – bei Kaffee und Kuchen – ein von Burkhart Eugen moderierter reger Meinungs- und Informationsaustausch entspann: Es gab Klagen über die zu dünnen gelben Plastiksammelsäcke, Fragen zu den neu vorgeschriebenen Rauchmeldern in Wohnungen, insbesondere wurde ein großes Interesse an dem bedarfsorientierten Flexibussystem geäußert. Es entstand eine lebhafte Diskussion über kommunale Belange, die in kleineren Gruppen mit einzelnen Beiratsmitgliedern und Bürgern erörtert wurden. Ein Besuch „vor Ort“, der bei den Bewohnern gut ankam. be